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Neopren Tipps & Tricks von Michi Schuster

„Windsurfen/Kitesurfen/Surfen bei fünf Grad Lufttemperatur? Kein Problem!“

Tipps von Michi Schuster, Produktmanager ION Neopren

Surfanzüge sind in den letzten Jahren immer besser geworden und so kann man auf die Pause im Winter vielleicht schon verzichten. Wärme ist wichtig, denn ansonsten ziehen sich die Blutgefäße zusammen und der Körper friert.
Michi Schuster, Neopren Produkt Manager bei ION, hat ein paar Tipps für uns:

Michi, wie funktioniert ein Neoprenanzug? 

Im Optimalfall dringt so wenig Wasser wie möglich in den Anzug ein. Das Neopren und die darin enthaltenen Luftblasen zwischen dem Körper und dem Wasser bilden dann eine isolierende Schicht. Da aber immer ein wenig Wasser in den Anzug reinkommt, erwärmt sich dieses durch unsere Körpertemperatur und hält uns warm.  

 

Ist Neopren gleich Neopren? Es gibt Unterschiede in der Zusammensetzung der Grundsubstanzen und welche Unterschiede bringen diese mit sich? 

Es gibt verschiedene Arten von Neopren. Petroleum basiertes Neopren, Limestone Neopren und Yulex Neopren. Petroleum basierend wird mittlerweile immer weniger verbaut, Limestone (deutsch Kalkstein) nutzen wahrscheinlich die meisten Hersteller in unserem Bereich, Yulex ist die umweltfreundlichste Alternative von allen. Gleichzeitig auch die weniger flexiblere, aber auch teuerste Variante.  Weitere Unterschiede im Schaum sind Faktoren wie Flexibilität, Härte, Haltbarkeit ... dort gilt es den für den jeweiligen Anzug am besten passenden Schaum zu finden. Wenn ein Schaum z.B. besonders flexibel ist, ist er natürlich auch teurer. 

 

Das Innenfutter vom Neopren hat eine große Bedeutung für die Wärmeisolation. Und es hat sich beim Innenfutter auch entscheidendes getan.   

Unsere Topmodelle SEEK Select (Männer) und AMAZE Select (Frauen) haben unser neues Innenfutter „Graphene Plush“, was den Anzug noch einmal um 20% wärmer macht! Das ist ein Quantensprung in der Anzugtechnologie, denn Windsurfen/Kitesurfen/Surfen bei fünf Grad Lufttemperatur? Das ist durch den Einsatz durch „Graphene Plush“ noch viel verlockender geworden.  

 

Was ist „Graphene Plush“? 

Jede Faser unseres Innenfutters Graphene Plush ist mit einer hauchdünnen Schicht Graphen beschichtet. Graphen gilt seit seiner Entdeckung als Wundermaterial und klingt eher nach Science-Fiction als nach Realität. Es besteht aus Kohlenstoffatomen, die zu einem perfekten Bienenwabenmuster vernetzt sind und nur eine einzige Atomlage dicke Schicht bilden. Es ist nicht nur das dünnste Material der Welt, es ist auch eines der stärksten. Aufgrund seines physikalischen Aufbaus besitzt Graphen einzigartige Eigenschaften, die alles bisher Dagewesene in der Wetsuit-Technologie übertreffen. Graphen erwärmt sich schneller und speichert diese Wärme auch viel länger als andere Innenfutter -  daher bietet es die optimale Wärmeisolierung für Windsurfer / Kitesurfer / Surfer. Und noch gern der Zusatz von mir, dass wir über den Anteil von Graphene Plush die Wärme steuern können. Im Vergleich haben wir haben den höchsten Anteil an Graphene Plush in unseren Anzügen!  

 

Das heißt man kann einen vergleichsweise dünneren Anzug wählen, um dieselbe Wärme zu erzielen.  

Ja, das ist mein Tipp. Ein 4/3 mm SEEK Select Anzug mit Graphene Plush Innenmaterial ist genauso warm wie ein anderer 5/4 mm Anzug vom Markt. Ich kann also mit einer Neoprendicke runtergehen, habe eine bessere Flexibilität des Materials und die Kosten werden vergleichbar sein.  

 

Für den Herbst und Winter: „Doppeltkaschiert“ oder „Glatthaut“? 

Glatthaut ist bei Wind immer etwas wärmer als doppeltkaschiert. Ist man rein auf Wärme aus, dann „Glatthaut“. Wenn einem aber Dehnbarkeit des Materials sehr wichtig ist, kann man auch im Winter zum doppeltkaschierten Anzug greifen. Grundsätzlich hilft es, auch schon sehr, wenn z.B. der obere Rücken bzw. der Oberkörper ein „Skin Panel“, also einen zentriert platzierten Streifen mit Glatthautneopren, hat. Durch den Einsatz von Linings auf der Innenseite wie zum Beispiel Graphene Plush sind doppeltkaschierte Anzüge heutzutage nahezu so warm wie Glatthautanzüge. 

Welche Neoprendicke –ungeachtet sonstiger Material- und Fertigungskriterien- braucht man für den Herbst und Winter?   

Das ist pauschal schwer zu beantworten und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Für die meisten Nordeuropäischen Länder empfehle ich für den Herbst 4/3er oder 5/4er, für den Winter einen 5/4er und für die wirklich kalten Tage einen 5/4er mit separater Haube oder sogar einen 6/5er mit integrierter Haube. Zu beachten ist, dass neben der persönlichen Kälteempfindlichkeit, selbstverständlich die Lufttemperatur und die Wassertemperatur ausschlaggebend ist. Dazu wie häufig man sich beim Ausüben der Sportart tatsächlich im Wasser befindet. Surfer sind beispielsweis kontinuierlich im Wasser, während man beim Kitesurfen, je nach Fahrstil, sehr selten im Wasser ist.  

Nicht zu vergessen sind unsere Trockenanzüge. Die Fuse Drysuits bewähren sich im Kitefoilen, Wingfoilen, Windsurfen und auf dem SUP, wenn die Temperaturen wirklich eisig sind.  

 

Stichwort Haube. Wie steht es um die Kopfbedeckung? Haube, Beanie oder die gute alte Pudelmütze? 

Die Haube ist für richtig kalte Tage auf jeden Fall die beste Alternative. Im besten Falle gleich einen Anzug kaufen, der eine Haube hat. Ansonsten geht es aber auch sich eine drunter zu ziehen. Beanies würde ich eher für kältere Herbsttage empfehlen als für die richtig kalten Wintertage. Und die Pudelmütze hat auf dem Board nichts zu suchen.  

Ich möchte noch einen Blick auf zwei Szenarien werfen. Wenn man für die wirklich kalten Tage die Haube integriert, ist das superpraktisch aber auch am unflexibelsten. Wenn man aber für die Übergangszeit eine Haube zum Darunterziehen hat, dann bin ich flexibler. D.h. ich kann beide Szenarien von Wetter damit abdecken.  

Sollte mir auf dem Wasser jedoch wärmer werden als befürchtet sehe ich den Vorteil bei der integrierten Haube. Während sich die integrierte Haube jedoch während der Session nach hinten abziehen lässt, muss ich zurück an Land, um die extra Haube abzulegen.  

 

Welche Vor- und Nachteile bieten integrierte Hauben gegenüber den separaten Modellen?  

Hauben sollten grundsätzlich gut sitzen, damit so wenig Wasser wie möglich eindringen kann.   

Mit einer integrierten Haube hat man ein noch geschlosseneres System, es ist also die wärmste Variante. Unser Beanie aus Neopren macht den Kopf auch schön warm und trotzdem aber stellt die im/am Anzug integrierte Haube eine noch bessere Variante dar.     

 

Naht ist nicht gleich Naht. Welche Unterschiede gibt es bei der Wasserdurchlässigkeit?   

Grundsätzlich gibt es normale, nicht weiter verklebte „Flatlock“ Nähte und geklebte, sogenannte „Glued Blindstich“ Nähte. Wie der Name „Glued Blindstich“ schon sagt, sind diese Nähte geklebt und dazu noch vernäht und daher nahezu wasserdicht. „Flatlock“ Nähte sind angenehm am Körper und werden meistens bei dünneren Sommeranzügen benutzt, da das Verkleben erst bei einer Neoprenstärke ab 3mm möglich ist. Zu beachten ist, dass bei der Flatlock Naht durch das Neopren genäht wird, was zu Mikrolöchern im Neopren an der jeweiligen Stelle führt, wobei bei “Blindstitch” Nähten nur die oberste Schicht vom Neopren durchstochen wird. Das Neopren bekommt dadurch keine Mikrolöcher und ist daher wasserdicht.  

Zusätzlich zu den Nähten kann man den Anzug noch durch sogenannte „Powerseams“ auf der Außenseite oder „Tapings“ auf der Innenseite abdichten. Hier gilt es die Balance zu finden, denn zu viel „Powerseam“ und „Taping“ machen den Anzug steif. 

 

„Flatlock“ ist also ein Mittel, um Anzüge in einem unteren Preissegment anbieten zu können. Für wenig Geld können normale Surfanzüge „aufgerüstet“ werden: Mit dem dünnen Shorty, dem „Monoshorty“ oder dem Lycra vom letzten Sommerurlaub. Was zieht man darunter an? 

Aufrüsten ist immer eine gute Option. Es gibt diverse Tops (Tank Tops, Short Sleeves) aber auch Hosen, die man gut unter einen Anzug anziehen kann. Das „Zwiebel-System“ funktioniert also auch bei uns Windsurfern/Kitesurfen/Wellenreitern.  

Wenn man längere Zeit am Strand steht, um auf bessere Bedingungen zu warten oder einfach nur eine Pause macht, ist ein Neo-Hoody oder eine Neo-Jacke zu empfehlen. Sie sind in erster Linie windisolierend.   

Auch eine Weste kann eine gute Idee sein. Sie bietet extra Wärme und gleichzeitig Auftrieb, was an kalten Tagen ein Gewisses extra an Sicherheit bietet. Einen Zusatz möchte ich aber noch geben. 

 

Und zwar?  

Ein noch enger sitzender Anzug ist vergleichsweise wärmer. Oder besser, ich empfehle –wenn möglich- beim Anzugkauf eine Anzuggröße kleiner zu wählen, sofern das auch komfortabel ist. Das Material liegt dann noch enger am Körper und weniger Wasser kann eindringen. Wenn man ins Wasser fällt und Wasser eintritt, es also einen „Wasserflush“ gibt, dann geht das bereits vom Körper im Anzug erwärmte Wasser auch wieder raus und kostet wiederum dem Körper mehr Energie. Nochmal, ich empfehle –wenn möglich- eine Anzuggröße kleiner zu wählen! 

Was macht heute einen guten Surfschuh für die kalte Jahreszeit aus? 

Grundsätzlich möchte ich sagen „je dicker der Schuh ist, desto wärmer ist er auch“. Ein 6/5mm Schuh ist schon bedeutend wärmer als ein nur 3/2mm starkes Modell. Für maximale Wäre empfehle ich eindeutig die Variante mit 6/5mm. Weiterhin sind vollflächige Fütterungen des Innenfutters, die Qualität der Nähte und die Flexibilität des Materials entscheidende Faktoren. Stichwort Nähte, auch hier gelten die weiter oben gemachten Ausführungen von Flatlock und Glued Blindstich. Auch beim Innenfutter gelten dieselben Punkte wie oben ausgeführt. Alles genannte ist ebenso für Handschuhe gültig.  

 

Welche fünf Tipps, um im Winter bestens ausgerüstet zu sein, möchtest du uns abschließend an die Hand geben? 

1. Macht keine Kompromisse beim Wetsuit Level. Höhere Qualität macht sich im Wasser sehr schnell bemerkbar. 

2. Die Nähte: Glued Blindstich ist besser als Flatlock. 

3. Getapte Nähte sind länger wärmer als genähte Nähte. 

4. Im Zweifel die kleinere Anzuggröße wählen.! 

5. Integrierte Haube ist wärmer als eine Neo-Beanie. 

Und zum Abschluss, schütze auch insbesondere Deine Hände und Füße. Sie sind die am schnellsten auskühlenden Körperteile.  

  

Michi, danke für das Interview